– Ein Interview mit Christina (Krankenschwester)
1. Grundlegendes Vorgehen bei einem Notfall – Wie ist mit einer aufgefundenen, verletzten Person grundsätzlich umzugehen?
- Betroffene Person ansprechen und anfassen, um Bewusstsein zu überprüfen.
- Art der Verletzung einschätzen (was ist äußerlich erkennbar? Starke Blutungen? Muss etwas akut versorgt werden? etc.)
- Bei Bewusstlosigkeit Puls checken und Atmung überprüfen! Atemkontrolle durch „Sehen, Hören und Fühlen“
- Falls Atmung vorhanden = Stabile Seitenlage
- Betroffene Person nach Möglichkeit zudecken, um Auskühlen zu verhindern
- Wenn keine Atmung feststellbar ist, dann ist von einem Kreislaufstillstand auszugehen und es muss umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden.
2. Welche wichtigen Fähigkeiten im medizinischen Bereich erster Hilfe sollte jeder für Notfälle beherrschen?
Basismaßnahmen:
- Lagerung des Betroffenen in eine angenehme Position
(Wenn ohne Bewusstsein, jedoch mit Atmung, dann empfiehlt sich die stabile Seitenlage.)
- Frische Luft (z.B. Fenster oder beengende Bekleidung öffnen)
- Beruhigung des Betroffenen, wenn nötig
- Bei Kälte den Betroffenen warmhalten und mit einer Decke (Rettungsdecke) oder wärmender Kleidung zudecken.
Weitere notwendige Fähigkeiten:
- Mund zu Mund Beatmung
- Herz-Rhythmus-Massage
- Schocklagerung
- Stabile Seitenlage
- Druckverband anlegen
3. Wie kann man diese Fähigkeiten erlernen?
- Besuche einen Erste-Hilfe-Kurs
(Wird in der Regel von Volkshochschulen, Rettungsdiensten, im beruflichen Umfeld oder Privatpersonen)
4. Wie versorgt man größere bzw. tiefere Schnittwunden?
Wunde reinigen:
- Mit Wasser, NaCL, Ringer Lösung (Falls die Wunde nicht zu stark verschmutzt ist, reicht eine kurze Desinfektion, z.B. mit Octenisept)
Wunde verbinden:
- Mit sterilen Kompressen
- Mullbinden oder Pflaster
- Wenn die Wunde genäht werden muss, dies aber nicht durchführbar ist, kann man im Notfall auch Wundnahtstreifen anbringen (Leukostrips).
5. Wann muss eine Wunde genäht werden?
- Bei sehr großen, stark blutenden oder besonders tiefen Wunden ist es notwendig, dass man sie näht oder zuklebt bzw. mit Wundnahtstreifen versorgt.
- Dadurch kommt es bei unkomplizierten Wunden zu einem schnelleren Wundverschluss und es wird eine bessere Abheilung der Wunde ermöglicht.
6. Kann man sich eine Wunde selbst nähen? Und Welche Alternativen gibt es zum Nähen?
- Ja, man kann sich selbst eine Wunde vernähen
- Man benötigt dafür sterile Materialien
(Nadel, Faden, Desinfektionsmittel, ein Mittel zur lokalen Betäubung, der betroffenen Stelle (da das Nähen ziemlich schmerzhaft sein kann – bei oberflächlichen Verletzungen reicht ein Vereisungsspray meist aus)
- Man kann verschiedene Nähte durchführen. Die einfachste ist:
Einstechen, Faden durchziehen, einen Knoten machen und je halbem Zentimeter von vorne beginnen, bis die Wunde verschlossen ist.
Alternativen zum Nähen:
- Klammern (entsprechende Materialien und lokale Betäubung benötigt)
- Wundnahtstreifen
(Wunde desinfizieren und die Klebestreifen von einer Seite der Wunde zur anderen festkleben und die Nämliche so verschließen. Ist vor allem bei oberflächlichen, nicht zu stark blutenden Wunden gut geeignet.)
TIPP für ein Desinfektionsmittel:
- Octenisept = ein Schleimhautdesinfektionsmittel, es brennt nicht in der Wunde und desinfiziert genauso zuverlässig, wie Jod oder Alkohol.
7. Was ist bei sehr starken Blutungen zu tun?
- Bei starken Blutungen = Druckverband anbringen, bis die akute Blutung zum Erliegen kommt.
Druckverband anlegen:
- Hinlegen, oder Hinsetzen des Betroffenen
- Mit dem Finger oder der Hand Druck auf die Wunde ausüben
- Verband anlegen (z.B. gefaltetes Dreieckstuch o.ä.) und fest mit einer Mullbinde um die Wunde wickeln (fixieren).
8. Wie sollte ein Bruch versorgt werden, bis eine weitere Versorgung eventuell möglich wird?
- Betroffenen flach auf den Boden legen
(Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen = Patient möglichst gar nicht bewegen)
- Durch die liegende Position wird der Bruch schon grundlegend stabilisiert und der Patient kann nicht ohne Weiteres „umfallen“ bzw. ohnmächtig werden und sich somit weitere Verletzungen zuziehen.
- Die gebrochene Gliedmaße ruhigstellen und stabilisieren. Umpolstern mit einer eingerollten Decke, Kleidungsstück oder ähnlichem.
- Bei Rippenbrüchen den Arm der betroffenen Seite in eine Schlinge (z.B. Dreieckstuch) legen und mit einem zweiten Tuch am Oberkörper befestigen.
- Den Betroffenen hochlagern
- Möglichst hohe Lagerung des Verletzten bzw. des betroffenen Körperteils, um übermäßiger Schwellung entgegenzuwirken.
- Es empfiehlt sich einen geschlossenen Bruch möglichst zu kühlen („Eispack“, in ein Tuch wickeln oder ein Tuch nass machen und dem Körperteil auflegen)
- Bei einem offenen Bruch sollte die Wunde kurz gereinigt (desinfiziert) und steril abgedeckt werden (mit steriler Wundabdeckung verschließen, nicht zu fest)
Schockbekämpfung:
- Schocks können nach starken Verletzungen auftreten
- Bei hohem Blutverlust kann es schnell zu einem Schock kommen
- Eine Schocklagerung kann helfen, um den Kreislauf des Betroffenen zu unterstützen und den eventuell drohenden Kollaps abzuwenden
- Der Betreffende sollte auf den Boden gelegt und die Beine im ca. 30° Winkel hochgelagert werden
9. Welche rezeptfreien Medikamente kanns man für Notfälle empfehlen?
- Schmerzmittel:
Ibuprofen 400 mg, Paracetamol (bei starken Schmerzen 2x)
Übelkeit:
- Vomex Dragees
Salben:
- Voltaren Salbe
Persönliche Anmerkung:
- Sehr gute Erfahrungen mit Homöopathie und pflanzlichen Heilmitteln als Alternative zu üblichen Pharmazeutika
10. Welches Erste Hilfe Equipment ist zur Notfallbehandlung zu empfehlen und was muss man nebst der Hausapotheke für unterwegs einplanen?
Erste-Hilfe:
- Dreieckstuch (Als Fixierhilfe, Tragehilfe, Polsterung…)
- Kompressen in verschiedenen Größen (Zum Abwischen bei der Reinigung oder Desinfektion, zum Auflegen von Wunden)
- Fixierbinden (Mullbinden) in verschiedenen Größen (Fixieren von Wunden, für Druckverbände, als Polsterung usw.)
- Medizinische Handschuhe
- Wundschnellverbände
- Pflaster (Leukoplast – zum Fixieren von Binden usw.)
- Schere
- Desinfektionsmittel für Hände (Hautdesinfektion)
(für Wunden Octisept)
Wichtige Mittel für unterwegs:
- Schmerzmittel
- Mittel gegen Übelkeit, Durchfall
- Mittel bei Erkältung (z.B. Nasentropfen/-Spray, Schleimlöser etc.)
- Mittel bei Insektenstichen (Wespenstiche, Zeckenbisse usw. – Zeckenzange/ Pinzette, kühlende Salbe wie z.B. Fenistil)
- Mittel bei Allergien
Notwendige Medikamente bei bestimmten chronischen Krankheiten – (auf jeden Fall auch unterwegs dabeihaben!)