Aufgaben und Verhalten im Lager unter Bedrohung
Obwohl es wunderschön sein kann, in der freien Natur zu lagern, kannst du unter normalen Bedingungen nie wirklich lange rasten. Schlimmer noch, das ganze kann sogar aufgrund der falschen Platzwahl für dein Lager zu einem regelrechten Albtraum werden. In deinem Lager gibt eigentlich immer etwas zu erledigen. Dafür musst du nicht einmal eine Extremsituation provozieren oder plötzlich in eine geraten, dafür reicht ein einfacher Wochenend-Trip in den Wald, um dies festzustellen. Wenn du erst einmal in Extremsituation bist, sind diese täglichen Aufgaben umso schwieriger und energieaufwendiger zu bewältigen oder teils gar nicht mehr ohne Weiteres umsetzbar. Unabhängig von den Bedingungen, unter denen du dein Lager aufschlägst, fallen dennoch reguläre Aufgaben an, die erledigt werden sollten und teilweise wiederkehrenden Charakter haben. Sie dienen nicht nur der Verbesserung des Komforts, sondern auch der langfristigen Erhaltung und Optimierung einer minimalen Lebensqualität, Hygiene, Gesundheit und Aufrechterhaltung von Mind, Moral und Disziplin. Hier ein kleiner Überblick, was mit täglichen Aufgaben gemeint sein kann.
Die täglichen Aufgaben im Lager sind immer mindestens Folgende:
Errichtung der Unterkunft, des Schlafplatzes, der Bodenisolation und die Instandhaltung derselben.
Einrichtung einer Feuerstelle.
Bau einer Latrine.
Bestimmung und Einrichtung eines Platzes für Vorräte und Ausrüstung (ein Lagerbereich).
Beschaffen von Zunder, Anzündmaterial und Feuerholz; richtiges (d.h. trockenes) Lagern des Brennmaterials.
Pflege und Reparatur von Werkzeugen, Kleidung, Ausrüstung etc.
Versorgung von Verletzungen (Zubereitung von Naturheilmitteln).
Auskundschaften der Umgebung, Erschließen von Ressourcen.
Wassergewinnung, Wasser besorgen und die Vorbereitungen des Wassers zur unbedenklichen Genießbarkeit (wie Abkochen, Filtern o.ä.).
Finden (Sammeln, Jagen), Zubereiten, Lagern, Verzehr und Konservieren von Nahrungsmitteln.
Selbst- und Lagerverteidigung – dazu zählen z.B. Waffenbau, Fallenbau und die Konstruktion von einfachen Alarmanlagen.
Signalgebung, Kontakt zu Rettungs- und Suchtrupps aufbauen; auf sich aufmerksam machen.
Viele dieser Tätigkeiten sind sehr zeitaufwendig und sollten daher strukturiert angegangen werden, um sie möglichst effizient zu bewältigen. Zudem varriieren sie in der Priorität natürlich stark mit der vorherrschenden Gefahrenlage.
Außerdem benötigst du grundlegende handwerkliche Techniken, beispielsweise im Umgang mit dem Messer.
Je länger du Zeit hast und dich an einem Lagerplatz aufhältst, desto komfortabler und wohnlicher wird dieser mit der Zeit fast automatisch werden. Dir werden laufend neue kleine Verbesserungsmöglichkeiten einfallen. Wenn du in einer Gruppe unterwegs bist, habt ihr einen klaren Vorteil. Ihr könnt die Aufgaben verteilen und somit effizienter vorgehen. Bist du auf dich allein gestellt, musst du auch alles allein erledigen. Dies hat dennoch auch einige Vorteile, da du allein zum Beispiel weniger Material benötigst, leiser bist und dein Lager kleiner ausfällt. Der vielleicht größte Nachteil ist aber dafür die soziale Isolation. Unterschätze diesen Faktor nie. Das Beste ist dann, dich zu konzentrieren und zu beschäftigen (z.B. mit den oben genannten Aufgaben), statt zu grübeln oder zu jammern und damit deine eigene mentale Struktur zu schwächen. Erledige deine Aufgaben und setze dir konkrete Ziele.
Persönliches Wachstum durch Naturerfahrung und das Leben im Lager
Das Leben in freier Natur bringt viele Besonderheiten mit sich und verändert mit der Zeit auch die Art und Weise, wie du die Welt und deine Position darin betrachtest. Du wirst staunen, wie sich die Einfachheit des Seins allmählich den Weg in dein Leben bahnt und du immer ruhiger wirst. Deine Sinneswahrnehmungen werden schärfer, deine Gedanken klarer und uralte Instinkte werden geweckt. Authentische Naturerfahrung hat charakterbildende Funktionen. Sie nährt deine Persönlichkeit und dein Selbstbewusstsein. Die Allverbundenheit der Natur zu erfahren, wird dein ganzes Leben positiv beeinflussen und dir vor allem in Krisenzeiten von großem Wert sein. Je regelmäßiger du dich in der Natur aufhältst und wirklich dort ein paar tage verbringst, wirst du merken, wie vieles sich relativiert und andere zuvor relative Dinge, wieder an Bedeutung gewinnen, wie Dinge sich innerlich und äußerlich ordnen und du mehr und mehr in einen natürlichen Flow gerätst, zu dir kommst. Eigentlich kann man diese Phänomene kaum richtig beschreiben. Das unglaubliche Gefühl der Verschmelzung mit den Kräften der Natur und die Sicherheit, die daraus erwächst, kann und wird eine starke Ressource für dich sein und dir helfen, die Herausforderungen deines Lebens und seiner Extremsituationen noch erfolgreicher zu meistern.
Die Auswahl des richtigen Platzes für dein Lager
Welche Kriterien muss ein guter Lagerplatz, ganz allgemein betrachtet, erfüllen? Wir gehen in diesem Fall von einem Szenario aus, in dem du keine zusätzliche äußere Bedrohung fürchten musst oder sogar auf Rettung wartest bzw. hoffst. Wenn du nach einem geeigneten Ort für ein Lager Ausschau hältst, ist es sinnvoll, den ausgewählten Ort auf ein paar wesentliche Faktoren zu prüfen. Im Notfall ist natürlich jedes Lager erst einmal besser als kein Lager, doch auch dann sollten einige Punkte berücksichtigt werden. Ein gutes Lager weist möglichst viele der folgenden Merkmale auf:
Es gibt genug Baumaterial (Holz, Steine, Lehm, Erde, Schnee usw.). Das ist wichtig für den Bau einer Unterkunft, zur Herstellung von Behelfen oder natürlich zum Feuermachen.
Es ist eine Wasserquelle in der Nähe. Von welcher Qualität ist das Gewässer? Ist es stehend oder fließend? Ist es sauber oder muss es gefiltert werden? Ist überhaupt genug Wasser vorhanden? Habe ich Mittel zur Aufbereitung oder sollte ich gleich woanders Wasser suchen und mein Lager verlegen?
Es gibt keine objektiven Gefahren zu befürchten oder gibt es Gefahren, die objektiv zu berücksichtigen sind? Je nachdem, wo du dich befindest, musst du mit Steinschlag, Erdrutschen, Lawinen, Hochwasser und Stürmen rechnen. Diese Gefahren solltest du realistisch einschätzen, um möglicherweise einen anderen Platz aufzusuchen.
In der unmittelbaren Umgebung finden sich gute Möglichkeiten, um mit Rettungskräften Kontakt aufzunehmen oder deine Rettung zu unterstützen. Eine Lichtung oder offenes Terrain kann genutzt werden, um von dort aus Zeichen zu geben, die gut aus der Luft oder aus großer Entfernung gesehen werden können (SOS, Blinklicht, Signalfeuer usw.). Ist dein Lager durch einen Hubschrauber oder Rettungsfahrzeuge erreichbar? Wo im Gelände liegt der nächste „Landeplatz“ oder eine Möglichkeit der Zufahrt durch Rettungskräfte?
Damit du auch die vielen Herausforderungen des Lagerlebens noch besser meistern kannst, lernst du im Folgenden grundlegende Techniken des Naturhandwerks kennen. So kannst du bei Einrichtung und Ausbau deines Lagers vernünftige Ergebnisse erzielen und aus den natürlichen Ressourcen in jeder Umgebung noch mehr Nutzen ziehen.
Dein Lager sollte in Situationen, in denen dir äußere Gefahren durch andere Menschen oder deren Einflüsse drohen, abseits der gewöhnlichen bzw. natürlichen Bewegungslinien liegen. Das heißt konkret, dein Lager sollte in unwegsamem, schlecht einzusehendem Gelände liegen – genau da, wo mit großer Wahrscheinlichkeit niemand hingehen wird. Es sollte von keiner Himmelsrichtung aus erkennbar sein, auch nicht aus der Luft! Du kannst dies durch die richtige Lage und Tarnung gewährleisten. Es gibt viele Möglichkeiten, deine Unterkunft bzw. das Lager so zu konstruieren, dass es mit der Umgebung verschmilzt und optisch nicht mehr erkennbar ist (z.B. unterirdische Anlagen, Höhlen, Felsspalten usw.). Gleichzeitig musst du dennoch Zugang zu ausreichend Wasser und Nahrung haben, beides sollte nicht zu weit von deinem Lager entfernt sein. Außerdem solltest du mehr als einen Fluchtweg offenhalten.
Die Verteidigung und Sicherung deines Lagers
Die Tarnung deines Lagers und das Verwischen bzw. Vermeiden von Spuren haben höchste Priorität. Die optische Tarnung bietet dir den besten Schutz vor Aufklärung durch potenzielle Feinde. Neben der Tarnung musst du möglicherweise zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für dein Lager treffen. Hierbei spielt auch deine eigene Disziplin eine wichtige Rolle! Unter Bedrohung kommt meist keine gute Campingstimmung mehr auf. Während du in Situationen ohne akute und konkrete Bedrohung durch einen Feind deinen Tag frei gestalten kannst, musst du unter Bedrohung ein anderes Verhalten an den Tag legen. Du musst beispielsweise unbedingt eine Licht- und Geräuschdisziplin einhalten. Zusätzlich kannst du dein Lager durch zusätzliche Einrichtungen verteidigen. Dazu gehören zum Beispiel Geräuschmelder oder „Alarmanlagen“, die dir aus sicherer Entfernung mitteilen können, ob Gefahren drohen. Diese lassen sich leicht mit Stahlbechern oder anderen Metallgefäßen improvisieren. Fülle sie mit einigen Steinen und verbinde sie unauffällig mit einer Schnur oder einem Draht. Wenn ein entsprechend gespannter Stolperdraht berührt wird, fallen die Becher mit lautem Scheppern zu Boden.
Im Allgemeinen sind Stolper-, Schlag- und Grubenfallen recht einfach und gut zur Verteidigung deines Lagers nutzbar. Du kannst auch deine eigene Verteidigungsfähigkeit durch entsprechende Bewaffnung (Bogen, Speer usw.) erhöhen. Die Art und Schwere der Bedrohung sowie deine persönlichen Fähigkeiten spielen dabei immer eine Rolle.
Nicht nur die äußere Gefahrenlage, sondern auch Ressourcenknappheit oder dein allgemeiner gesundheitlicher Zustand können dich zum Aufbruch bewegen.
Ein wichtiger zusätzlicher Punkt in Bezug auf präventives Verhalten bei drohenden Gefahren ist, dass du deine Ausrüstung noch gründlicher kontrollieren musst, als ohnehin schon empfohlen wird. Im Ernstfall musst du schnell verschwinden können. Achte daher darauf, dass dein Gepäck und deine Ausrüstung immer gut gepackt und einsatzbereit sind. Wenn du eine schnelle Flucht antreten musst, kannst du so deine wertvolle und möglicherweise lebenswichtige Ausrüstung komplett mitnehmen. Wenn du erst alles einpacken musst, verlierst du wertvolle Zeit und musst möglicherweise wichtige Dinge zurücklassen. Diese könnten dann möglicherweise Plünderern in die Hände fallen und sogar noch lange eine Gefahr für dich und andere darstellen. Im schlimmsten Fall könntest du vom „Feind“ gestellt werden.
Lieber allein oder Teamplayer,…?
Egal, ob du allein oder im Team bist, plane dein Verhalten bei Gefahr frühzeitig und sorgfältig. Alle sollten im Ernstfall wissen, was zu tun ist und eigenständig handeln können. Im Team könntet ihr sogar Wachposten, geheime Zeichen zur Kommunikation oder andere Maßnahmen ausklügeln. Eine Flucht sollte immer möglichst geräuschlos erfolgen. Bricht euer Lager erst ab, wenn ihr sicher seid, dass ihr sonst entdeckt werdet oder nicht beobachtet werdet. Wenn ihr bis zum Abmarsch noch Zeit habt, beseitigt alle Spuren gründlich. Verfolger könnten sie sonst finden, auswerten und euch somit auf den Fersen bleiben. Die Räumung des Lagers sollte idealerweise tagsüber vorbereitet und durchgeführt werden, damit ihr Spuren besser erkennen und beseitigen könnt und keine Gegenstände usw. vergessen werden. Wenn ihr nachts aufbrechen müsst, solltet ihr bereits bei Tageslicht eine genaue Route geplant haben oder anderweitig äußerst vorsichtig vorgehen. Das Marschieren bei Nacht erfordert ausgezeichnete Orientierungsfähigkeiten und kann bei mangelnder Erfahrung zu einem Desaster führen.
Flucht und Aufbruch
Du solltest dir auch immer rechtzeitig eine oder mehrere Fluchtrouten zurechtlegen. Unabhängig davon, ob du bis ans andere Ende der Welt fliehen möchtest oder nur in ein 500 m entferntes Waldstück gehen möchtest, musst du wissen, wohin du über welche Route gehen wirst und vor allem mit welchen Mitteln und möglicherweise mit wem. Bereite deine Fluchtroute vor, solange du in Ruhe darüber nachdenken kannst. Im Notfall hast du vielleicht keine Zeit mehr zu planen und musst schnell handeln. Ein Fehler bei der Wahl der Route kann dann ernsthafte Probleme verursachen. Stelle dir die unterschiedlichsten Szenarien genau vor und spiele mental jede mögliche Lösung und Variante durch.
Unabhängig von Aufbruch oder Flucht, ob du am Lager verbleiben kannst oder sonst etwas passiert, es gelten unter Bedrohung immer einige Grundregeln zu deiner Sicherheit. Einige davon und dazugehörige Aspekte wollen wir uns nun einmal anschauen.
Fortbewegung allgemein
Um dich stets sicher und zielstrebig fortbewegen zu können, solltest du ebenfalls Tarnung und eine systematische Taktik anwenden. Positionen sind unter Deckung zu wechseln, offenes Terrain zu meiden usw.
Mit solchen Strategien kannst du nicht nur deine Sicherheit erhöhen, sondern auch insgesamt deine Situation besser einschätzen. Hierfür ist es auch empfehlenswert, deine nähere Umgebung strategisch zu erschließen und immer systematisch aufzuklären. Du möchtest ja nicht nur herausfinden, wo du schlafen kannst und wo du möglicherweise ein kleines Feuer entfachen und etwas essen und trinken könntest. Du interessierst dich auch für mögliche Fluchtwege aus dem gefährlichen Gebiet und entsprechend für alle potenziellen Gefahren, aber auch Ressourcen in deiner Umgebung. Um eventuelle Feinde nicht auf dich aufmerksam zu machen, begehst du das Gelände ganz bewusst unter Tarnung und Diskretion. Steige ggf. auf einen Aussichtspunkt, um dir einen Überblick über das Gebiet zu verschaffen oder um vielversprechende Ziele in der Ferne auszumachen, wie zum Beispiel einen Fluss, einen See oder ein Gebirge. Bedenke jedoch, dass solche Ziele auch andere anlocken könnten, sodass du möglicherweise in eine größere Gefahr gerätst als die, in der du dich gerade befindest.
Aufklärung und Achtsamkeit in- und abseits vom Lager
Die Aufklärung eines potenziell gefährlichen Gebiets sollte immer aus guter Deckung und unter bestmöglicher Ausnutzung von natürlicher Tarnung erfolgen. Plane und bedenke daher jeden Schritt sehr sorgfältig, sodass du jeweils möglichst treffliche Entscheidungen fällen kannst. Je mehr Informationen du über deine nähere Umgebung sammelst, desto sinnvoller kannst du entscheiden.
Die goldene Regel Nr 1 im Survival ist sowieso: Begib dich niemals in eine Gefahr, die du umgehen kannst! Da du überleben willst, leuchtet es ein, dass jegliche Gefahren diesem Ziel diametral gegenüberstehen und vermieden werden sollten.
Es ist immer sicherer, Gefahren aller Art fernzubleiben und sie zu umgehen, besonders wenn es keinen Extremsport oder ein Training handelt, sondern ernst ist!
Verlasse dein Lager unter Bedrohung nur dann, wenn es zu gefährlich wäre, dort zu bleiben
Ein Fernglas oder Monokular (besonders kompakt) kann eine sinnvolle Investition sein, da es dir ermöglicht, die Situation aus sicherer Entfernung zu beobachten. Achte jedoch auf Reflektionen der Linsen!
Richte dein Augenmerk darauf, Gefahren richtig einzuschätzen und zu bewältigen. Wenn es um potenzielle natürliche Gefahren in einer Survival-Situation geht, solltest du darüber nachdenken, welche Gefahren überhaupt realistisch sind. Manche Gefahren treten häufiger auf, während andere sehr unwahrscheinlich sind. Hier werde ich dir die wichtigsten besprechen.
Es gibt im Wesentlichen drei Kategorien von objektiven Gefahren, die wir in Survival-Situationen erwarten können:
Gefahren durch die Umwelt: Im Gebirge, auf hoher See oder in der Wüste gelten andere Regeln und es gibt andere Gefahrenquellen als im Wald. Naturgewalten sind bis zu einem gewissen Grad kalkulierbar, aber nie zu 100%. Es gibt immer Überraschungen, zum Beispiel beim Wetter.
Gefahren durch Tiere: In der Regel sind es kleinere Tiere, die dir gefährlich werden können, wie giftige Insekten, Skorpione, Schlangen usw. Größere Tiere können unter bestimmten Bedingungen eine Gefahr darstellen, zum Beispiel wenn sie hungrig sind, ihr Territorium verteidigen oder ihre Jungen beschützen wollen.
Gefahren durch Menschen: Diese Gefahr besteht im Krieg, Bürgerkrieg, durch Terrorismus oder auch bei Ressourcenknappheit wie Plünderung.
Mittels Achtsamkeit und Aufklärung des Gebiets, kannst du diese Gefahrenquellen sehr gut einschätzen und Konfrontationen und Konplikationen eher vermeiden.
Es gibt natürlich noch viel mehr über das korrekte Verhalten in- und außerhalb des Lagers unter Bedrohung zu erzählen. Alles werden wir in diesem Beitrag nicht besprechen können, aber im Folgenden noch einige wichtige Anregungen dazu!
Pssst! War da was?
Geräusche sind unsere Freunde, die Welt ist Klang und alles im Kosmos schwingt in Harmonie. Doch wehe dir, wenn du unachtsam durch das Unterholz marschierst und versehentlich laute Geräusche erzeugst! Plötzlich weicht die Harmonie einer Schrecksekunde, einem Aufhorchen, und möglicherweise hast du versehentlich deine Position verraten, Tiere aufgeschreckt und deutlich hörbar bekanntgegeben, dass du hier bist! Wie umgehst du diese Situation, die in manchen Szenarien fatale Konsequenzen haben kann, am einfachsten? Indem du sie erst gar nicht erzeugst!
Achtsamkeit ist dabei einer der Schlüssel! (Das kannst du dir niemals oft genug bewusst machen.) Der zweite Schlüssel ist dein Training im Schleichen und in der Bewegung durch natürliches Gelände.
Für die Geräuschdisziplin gilt:
Stille ist Musik in deinen Ohren. Die besten Geräusche sind keine Geräusche. Übersteige so gut wie möglich herumliegende Äste und Stämme. Wenn du sie betreten musst, gehe langsam und vorsichtig, um ein lautes Brechen des Holzes im letzten Moment zu verhindern. Verlagere dein Gewicht langsam und kontrolliert. Besonders trockenes Laub am Waldboden stellt eine enorme Herausforderung dar. Mit Übung wirst du dich bald mit erhöhter Achtsamkeit sehr leise durch das Unterholz bewegen können, ohne dabei viel Lärm zu verursachen oder vermeidbare Spuren zu hinterlassen. Manchmal wirst du dich jedoch wundern, wie wenig man eigentlich von dir hört, während du selbst das Gefühl hast, dass andere dich bis ans andere Ende der Welt hören können, als ob du den ganzen Wald durchquerst. Am besten lernst du deine eigenen Geräusche einzuschätzen, wenn du mit einem oder mehreren anderen Menschen das Schleichen in der Natur übst. Das Feedback der anderen wird deine Technik immer weiter verfeinern und umgekehrt. Gleiches gilt für deine Fähigkeiten, dich optisch zu tarnen! Es ist wie ein Versteckspiel für Erwachsene. Du kannst alleine üben, dich Tieren leise anzunähern.
Du merkst, dass du gut genug bist, dich getarnt und leise fortzubewegen, wenn du dich mühelos und unbemerkt an ein Reh heranschleichen kannst, um dann mit ihm zu äsen, ohne sein Misstrauen zu erwecken. =)
Natürlich solltest du im Lager keine unnötigen Geräusche verursachen. Sprich leise und vermeide es zu rufen. Geräuschvolle Arbeiten sollten tagsüber verrichtet werden und nur dann, wenn sie unbedingt nötig sind.
Zum Thema Geräuschdisziplin und Schleichen ist außerdem ratsam:
Mache dir Umgebungsgeräusche zunutze! In deiner nahen Umgebung wirst du, achtsam gehend, häufig Geräusche vernehmen. Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der Blätter in den Baumkronen oder der Hauch des Windes. Vielleicht hörst du auch das Plätschern eines Baches oder Flusses in der Nähe. Was immer du hörst, nutze es zu deinem Vorteil. Die Umgebungsgeräusche sind durchaus in der Lage, deine eigenen Geräusche für andere Ohren zu überdecken! Diesen Umstand kannst du für gezielte Fortbewegung vor allem in Gefahrengebieten nutzen. Deine eigenen Geräusche werden mit denen der Umgebung verschmelzen und dir die nötige Deckung geben. Selbst wenn Menschen in der Nähe sind, werden sie dich dann nur sehr schwer hören können.
Optische Tarnung und „Lichtwirtschaft“
Die optische Tarnung ist absolut essentiell für dein Überleben oder das deiner Gruppe unter Bedrohung. Wirst du nicht gesehen, kannst du auch nicht in Schwierigkeiten geraten! Tarne dein Lager zu allen Seiten optisch mithilfe natürlicher Materialien und passe deine Tarnung den Gegebenenheiten in der Umgebung an.
Für die Lichtwirtschaft gilt eigentlich nur eines: Entzünde ein Feuer nur dann, wenn du es unmittelbar und unbedingt brauchst. Dies kann z.B. bei extremer Kälte der Fall sein. Hunger zählt jedoch nicht zu den Notfällen, die ein offenes Feuer unter Bedrohung rechtfertigen. Um dein Feuer optisch zu verbergen, kannst du verschiedene Dinge tun. Nutze am besten Grubenfeuer (mindestens 30-50 cm tief, besser tiefer!) oder verdecke die Flammen mithilfe anderer Methoden optisch, z.B. durch eine umliegende Mauer aus Steinen, ringsum verteilte Holzbalken oder aufgeschüttete Erde. Du kannst auch die Möglichkeiten in der Umgebung nutzen, wie Felsen, Vorsprünge, dichtes Gebüsch, Schnee usw., um dein Lagerfeuer zumindest optisch auf eine gewisse Distanz zu tarnen. Achte auch darauf, dass ein offenes Feuer in der Nacht unter Umständen unfassbar weit zu sehen ist (oft viele Kilometer!). Zudem reflektieren umliegende Sträucher, Bäume oder Felsen einen Teil des Lichts. Dieses schwache Licht ist ebenfalls sehr weit sichtbar. Entzünde dein Feuer mit trockenem Holz und entrinde es zusätzlich, um die Rauchentwicklung zu minimieren.
Nutze vorzugsweise nur die Glut. So hast du vielleicht etwas Rauch, aber bist optisch besser getarnt als mit einer offenen Flamme.
Halte stets ausreichend Wasser, Erde oder Sand zum spontanen Löschen des Feuers bereit! Bei keiner Methode ist sicher, von wo aus man das Feuer schon erkennen könnte oder wie weit der Geruch des Feuers reicht. Eine größere Rauchschwade kann am Tag und bei Nacht viele Kilometer weit sichtbar sein. Riskiere das alles nicht. Rauch ist besonders gut in der Morgen- und Abenddämmerung sichtbar. Am besten ist es in gefährlichen Situationen oder allgemein in Situationen, in denen du unentdeckt bleiben willst, wie gesagt, ganz auf Feuer zu verzichten oder es sehr klein und horizontal unsichtbar zu halten, wie eben bei einem tiefen Grubenfeuer. Je nach Witterungsverhältnissen haben Trockenheit und Wärme dennoch eine hohe Priorität. Musst du ein Feuer entzünden, halte die Flamme so klein und erzeuge so wenig Rauch wie möglich. Tarne deine Feuerstelle optisch von allen Seiten.
Oder…
Wenn du über einen Hobo-Ofen verfügst, könntest du darin ein unauffälliges Wärme- oder Kochfeuer betreiben. Vielleicht hast du auch eine Blechdose, diese kann leicht zu einem kleinen „Ofen“ umfunktioniert werden.
Obwohl ein Feuer hinsichtlich deiner Tarnung generell eher ungünstig ist, kannst du hingegen trotzdem absichtlich eines legen, zur Ablenkung (falsche Spur) oder um damit bestimmte Spuren zu verwischen. Mehr dazu weiter unten.
Ähnliches wie beim Thema Feuer gilt auch für Taschenlampen und andere Lichtquellen. Benutze deine Lampe nur, wenn es sein muss.
Für deine Tarnung ist das beste Licht gar kein Licht.
Verwende gegebenenfalls für Arbeiten im Dunkeln eine Stirnlampe mit rotem oder andersfarbigem Licht. Auch dieses sollte bestenfalls gedimmt oder dimmbar sein. Kalkuliere immer auch Ersatzbatterien mit ein.
TIPP:
Wenn du keine Lampe mit „Dimmfunktion“ besitzt, dunkle deine Taschenlampe mit einem Deckel ab. Einfache Flaschendeckel passen meist gut auf kleinere LED-Lampen/Taschenlampen. Wenn sie nicht passen, hilf mit dem Messer nach oder beklebe die Lampe mit Klebeband, farbiger Folie oder Papier.
Fazit
Es gibt endlos viele Kleinigkeitenauf die man hinsichtlich verschiedener realistischer Bedrohungsszenarien für das Lagerleben durchspielen, testen und gemeinsam debattieren könnte. Ich habe mich in diesem Beitrag nebst der anfänglichen Empfehlungen zur Auswahl des Lagerplatzes und den Aufgaben im Lager, die man berücksichtigen sollte, darauf konzentriert, dir einen grundlegenden Überblick über wichtige Grundtechniken zur Tarnung deines Lagers und deiner Anwesenheit bei Gefahr zu bieten.
Viel zu viel für einen Beitrag! Demnach wird es Folgebeiträge geben, wo die angesprochenen Aspekte vertieft und ergänzt werden.
Wenn du einen interessantes Thema oder eine Frage auf dem Herzen hast, über das bzw. zu deren Antwort wir hier unbedingt einen Blogbeitrag schreiben sollen, dann kontaktiere uns gerne jederzeit per Mail oder via social Media!